Was ist eigentlich dieses Feel Good Management?

Massagen, Achtsamkeitstraining und Team-Events – für die Wohlfühlatmosphäre in Unternehmen sorgt neuerdings ein Feel Good Manager oder Chief Happiness Officer. Denn Zufriedenheit und Wohlbefinden der Mitarbeiter werden zurecht immer wichtiger in der Arbeitswelt. Doch wie lassen sich die Kollegen ein bisschen glücklicher machen? Und welche Fähigkeiten braucht es, um eine einfühlende Unternehmenskultur erfolgreich zu managen? Wir haben unsere Feel Good Managerin Anja zu ihren Aufgaben, Erfahrungen und ihren größten Herausforderungen befragt. 

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Anja, was macht eine Feel Good Managerin eigentlich genau? 

Eine Feel Good Managerin ist dafür zuständig, dass sich jeder Mitarbeiter wohlfühlt und dass für alle ein gutes Arbeitsumfeld geschaffen wird. Darunter fallen die verschiedensten Aufgaben: Von der Organisation der Mitarbeitergetränke über gemeinsame Teamaktivitäten bis hin zum (diskreten) Feedbackgespräch. Kollegen können hier ihre persönlichen oder beruflichen Probleme besprechen. Vorschläge der Mitarbeiter, die zur Verbesserung des Unternehmens beitragen können, werden in Absprache mit dem Management umgesetzt. 

Entstanden ist der Berufstitel durch den Grundgedanken, dass der Unternehmenserfolg heutzutage zu einem großen Teil auf der Firmenkultur beruht. Es wird viel Wert auf Miteinander und Teamfähigkeit gelegt und daran geglaubt, dass man ohne Spaß bei der Arbeit seinen Job weder gerne erledigt noch eine gute Leistung bringen kann. Auch für die Personalgewinnung ist ein Feel Good Manager sehr wertvoll. In der heutigen Arbeitswelt sind viele Arbeitnehmer nicht mehr bereit, bis zum Burnout zu schuften, sondern das Arbeitsklima und -umfeld sind wichtige Kriterien für die Arbeitgeberwahl. Da ist das Feel Good Management ein positives Zeichen. Es signalisiert zukünftigen Angestellten, welche Kultur hinter dem Unternehmen steht. 

Wie bist du zu Deinem Titel gekommen? Musstest Du dafür eine Ausbildung, eine Fortbildung oder ein Studium absolvieren? 

Zu dem Titel bin ich durch meinen ehemaligen Chef gekommen. Er kennt mich seit mehr als sechs Jahren und hat mich schon immer als „gute Seele des Hauses“ gesehen. Mein vorheriger Titel war Office Managerin.   
Ich habe keine Aus- oder Weiterbildung absolviert, nein. Ich bin durch jahrelange praktische Arbeit da hineingewachsen. Zu den aktuell angebotenen Weiterbildungen zur Feel Good Managerin habe ich mich interessehalber nach den Lehrinhalten erkundigt. Und habe mich dagegen entschieden, ein offizielles Zertifikat zu machen. Die Inhalte deckeln sich mit den Inhalten eines Office Managers/einer Assistenz/einer Sekretärin und zusätzlich werden Personalthemen behandelt. Für Berufseinsteiger mag das nützlich sein, für mich als erfahrene Büro Managerin ist es rausgeschmissenes Geld.  

Hattest Du schon Vorkenntnisse im HR-Bereich oder ein entsprechendes Studium? 

Ich bin gelernte Hotelfachfrau, studierte Hotelbetriebswirtin. Daher habe ich bestimmte Vorkenntnisse, die kleinen Wünsche von Menschen zu erkennen und umzusetzen. Empathie, ein fröhliches Lächeln und ein wenig Menschenkenntnis kann man aber auch so schon charakterlich besitzen. 😉 

Du warst vorher Office Managerin bei der Ideas Engineering. Wie viele von Deinen alten Aufgaben als Assistenz stecken noch im Feel Good Management? 

Natürlich fallen einige klassische Officearbeiten nach wie vor an: Einkauf von Büromaterial, Hardware für die Kollegen, Obst, Süßigkeiten, die Organisation von Team-Events, interne Kommunikation in der Firma/ Abteilung, Reisebuchungen, Facility Management. Was zum Großteil jedoch flachfällt, ist die Terminkoordination für meinen Chef. Er arbeitet selbständig und koordiniert seine Termine selbst.  

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Was kommt zu den alten Aufgaben hinzu? 

Der Fokus auf Personalthemen. Ich bin erste Ansprechpartnerin für alle Wünsche und Sorgen. Die Schaffung von extra Wohlfühlbenefits (Napping-Room, Massage-Service) liegt bei mir. Außerdem die Bereitstellung von gutem Kaffee und kleinen Aufmerksamkeiten zum Geburtstag oder an Weihnachten. Ich bin auch Patin beim Onboarding neuer Mitarbeiter, über mehrere Wochen hinweg. Das Einfangen der allgemeinen Stimmung von Leuten und das Eingreifen mit diskreten Feedbackgesprächen, das Schaffen von Teambuilding-Maßnahmen, die Steuerung der Personaleinstellungen (das machen wir im kleinen Team zusammen) und das Treiben der Außenwahrnehmung (Marketing, Social Media, Special Events) fallen ebenfalls an. 

Wie ist das Feedback Deiner Kollegen? Und wie reagieren Firmenexterne auf Deinen neuen Titel? 

Das Feedback meiner Kollegen zum neuen Titel war durchweg positiv. Es kamen Kommentare wie „Was für ein toller Titel! Das warst Du ja eh schon die ganze Zeit“. Von außen kommen zum einen oft Nachfragen, wie man selbst zu einem Feel Good Manager/einer Feel Good Managerin werden kann. Zum anderen will man wissen, wie unsere Firmenkultur mit mir gelebt wird. 

Welche Eigenschaften helfen Dir im Arbeitsalltag am meisten und warum? 

Empathie. Jeder ist individuell und braucht andere Wohlfühlfaktoren. Ich höre allen interessiert, einfühlsam zu und finde individuelle Lösungen, mit der alle zufrieden sind. 

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Was macht Dir am Feel Good Management am meisten Spaß? 

Die Wertschätzung in Form von einem glücklichen Lächeln oder Dankeschön. Oder einfach mal zehn Kudos zu bekommen! 

Und was sind die größten Herausforderungen in Deinem Job? 

Selbstorganisiertes Arbeiten und offene Feedback-Kultur führen oftmals zu zeitfressenden Diskussionen. Es ist manchmal schwierig, einen gemeinsamen Konsens zu finden.  

Beende diesen Satz: Mein Job ist unverzichtbar, weil ... 

...wir einen großen Teil unserer Zeit an unserem Arbeitsplatz verbringen Da wünscht man sich natürlich, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Die Frage: „An wen kann ich mich wenden?“ stellt sich da nicht. Ich kann viele Prozesse für die Mitarbeiter vereinfachen, weil ich sie unterstütze bzw. einige Formalitäten abnehme. Eine Feel Good Managerin im Haus zu haben, ist wie ein Versprechen des Unternehmens an die Mitarbeiter und ein klares Zeichen der Wertschätzung: Ihr seid uns wichtig, wir kümmern uns um euch.