Plädoyer für die Wagenburg

Viel Mühe, Energie und Gedanken investieren wir darin, Teams zu neuen Formen der Arbeitsorganistion zu befähigen. Wir vermitteln ein agiles Mindset, stellen cross-funktionale Teams zusammen, verändern die Rolle der Führung und etablieren selbstorganisiertes Arbeiten.

Ein Aspekt, der dabei oft viel zu kurz kommt, ist die Frage, wie man eigentlich die Schreibtische so anordnet, dass die theoretischen Prinzipien der Arbeitsorganisation auch möglichst praktisch wirksam werden.

Die klassische Tischanordnung ist immer noch die Tischreihe, bei der 2-3 Schreibtische nebeneinander stehen und die nächste Reihe sich in umgekehrter Blickrichtung andockt. Erstaunliche viele agile Teams wählen auch genau diese Anordnung. Als Argument dafür ist häufig zu hören, diese Anordnung erleichtere die direkte Kommunikation, weil man sich ja gegenübersitzt. Leider trifft das aber nicht zu - aus 2 Gründen. Zum einen verbauen Monitore den Blick auf das Gegenüber und zum anderen hat substantielle Kommunikation häufig etwas mit dem zu tun, was auf unserem Monitor zu sehen ist. Aber eben leider nur für einen selbst bzw. den Nachbar links und rechts. Der Kollege gegenüber müsste erst aufstehen und um den ganzen Tisch herumlaufen, um zu sehen, was ich sehe.

Diese Anordnung ist zwar unter Flächennutzungs-Aspekten sehr gut, aber Zusammenarbeit wird dadurch eher behindert als befördert. Die Tischreihen sind mehr trennend als verbindend.

 

Die Tischanordnung, die aus meiner Sicht Teamwork am besten unterstützt, ist die "Wagenburg".

Dabei werden die Tische im Viereck aufgebaut, so dass alle Teammitglieder nach außen schauen.

Die fortgeschrittene Wagenburg

Die fortgeschrittene Wagenburg


Dieses Setup hat mehrere Vorteile:

  • Es entsteht ein natürliches Zusammengehörigkeitsgefühl durch ein klares "innen" und "außen"

  • Auch für Außenstehende wird sofort klar, wo das Team anfängt und wer dazugehört

  • Zusammenarbeit wird stark vereinfacht, weil man nicht aufstehen muss sondern einfach mit seinem Stuhl zum Teamkollegen rollt

  • Die Lautstärke sinkt, da aufgrund der räumlichen Nähe viel weniger laut gesprochen wird

  • Gerade wenn man nur noch einen (engen) Zugang in die Wagenburg offen lässt, wird das Team schon durch das Setup vor Störungen von außen geschützt. Ich als Scrum Master setze mich dann gerne an diesen Eingang, so dass jeder, der etwas vom Team will erstmal an mir vorbei muss

  • Fragen, die zu klären sind oder Themen, die kurz mit dem ganze Team zu besprechen sind, lassen sich blitzschnell organisieren. Alle drehen sich mit dem Stuhl um und schon hat man einen Stuhlkreis

 In 100% aller Fälle, in denen Teams, die ich begleitet habe, dieses Setup ausprobiert haben, war die Beurteilung nach einigen Wochen eindeutig: fühlt sich besser an, macht uns produktiver - lassen wir so.

In der fortgeschrittenen Variante wird jetzt noch eine Sofaecke, ein großer Monitor und ein physisches Board in diesen Teamspace integriert. Das fühlt sich dann wirklich wie ein zweites zuhause an. Verblüffende Effekte treten auf: man redet mehr miteinander, man arbeitet mehr im Pairing, Fragen & Probleme werden schneller im Team geäußert und behandelt. Und ganz nebenbei fühlt sich das Team viel mehr als Team.

Sascha KorpAgileComment